Montag, 20. Oktober 2008

Menschenrechte

175. Rundbrief der Militia Sanctae Mariae

Von Altabt Dr. Thomas Niggl OSB, Ettal
Es ist zweifellos ein Fortschritt, daß der Begriff “Menschenrechte“ weltweit anerkannt ist und von den Vereinten Nationen verpflichtend auferlegt wurde, wenn es auch ein weiter weiter Weg ist, bis praktisch danach gehandelt wird. Ideale brauchen immer lang, je höher und anspruchsvoller sie sind, umso länger. Man muß sich sogar darüber klar sein, daß Ideale nie voll verwirklicht werden, und darf trotzdem nicht resignieren.

Es ist durchaus zu bejahen, daß christliche Gemeinschaften die Durchführung der Menschenrechte als einer ihrer vordringlichsten Aufgaben bezeichnen, sonst wird daraus eine neue Sekte. Schließlich entstanden alle Sekten, indem man einen Punkt herausnahm und ihn einseitig und über Gebühr betonte.

Zunächst darf man Jesus Christus zum “Menschenrechtler“ degradieren. Sein eigentliches Ziel war die Ehre seines Vaters. Man riskiert gesteinigt zu werden, so P. Franz Gypkens, wenn man das unter Christen betont. Das wir unser Heil nur wirken können, wenn wir uns unter anderem der Entrechteten annehmen und das darf man betonen, aber nicht die Durchsetzung der Menschenrechte zum eigentlichen Ziel der Nachfolge Christi machen.

Dann sollten wir Christen wissen, daß der Gedanke von den Menschenrechten zu Jesus Christus auf die ständige Verkündung durch die Kirche zurückgeht. Es steht uns schlecht an, in ständiger Selbstbezichtigung unserer Vergangenheit zeitgebundener Vorstellungen zu schämen. Das die Christenheit seit zwei Jahrtausenden immer sehr zeitgebundene Vorstellungen hatte, ist doch eine Selbstverständlichkeit, doch erklärlich.

So wenig ein Einzelmensch seine Kindersünden vom Standpunkt seiner Erwachsenenreife beurteilen darf, so wenig darf die Christenheit die Einstellung früherer an der Klarheit heutiger gesellschaftspolitischer Einsichten messen. Es bleibt, daß die Christen zu allen Zeiten um das Gebot der Liebe und um die Gleichheit der Menschen vor Gott und um die persönliche Verantwortung vor Gott wussten.

Diese Gedanken waren wie Samenkörner, die Zeit zum Reifen brauchten. Was Karl Marx an echten Forderungen brachte, was sie die französische Revolution vertretbaren Forderungen ist doch nur die laisierte Form der kirchlichen Lehre und des Evangeliums. Ob wir in Wirklichkeit weiter wären, statt Krach zu machen, kann sehr wohl gefragt werden.

Vor allem sollte man nicht aus einem Minderwertigkeitskomplex heraus, so tun als müssten wir von Nichtchristen Menschenrechte und revolutionären Elan lernen und mit Biereifer alles unterstützen, was diese als Programm aufstellen, daß wir Schulter an Schulter mit Marxisten zusammenarbeiten oder um Aufnahme unseres Programms bitten.

Unsere Vorstellungen zu verschieden. Unsere Vorkämpfer vergessen, daß es für Marxisten Gleichheit und Menschenrecht grundsätzlich nur für Genossen gibt. Für unterdrückte Minderheiten treten sie nur dann ein, wenn es sich um die eigenen Leute oder um potentielle Mitglieder geht. Sonst doch nicht. Das in Russland “Christ sein“ mit härtesten Strafen geahndet wurde und als lebensgefährlich galt, das darf nicht in die Diskussion geworfen werden.

Daß alle sozialistischen Staaten Religionsfreiheit in ihren Verfassungen haben und keiner es annähernd duldet, ist doch eine Tatsache. Das der Aufstand eines ganzen Volkes um Menschenrechte sowohl in Ungarn als auch in der Tschechoslowakei mit Gewalt niedergeknüppelt wurde, weiß doch jeder, der es wissen will.

Wenn Kampf um die Menschenrechte, müssen wir den Mut haben um der Ehrlichkeit willen im eigenen Lande eklatante Verstöße beim Namen nennen, auch wenn es unpopulär ist. was zum Beispiel die Gewerkschaften machen, kein Kampf für die Rechte der Arbeitnehmer, sondern nackter Kampf um die Gewerkschaftsdiktatur, ganz gleich, welche Folgen das für unser Volk hat.
Oder Kampf der Studentengruppen an unseren Universitäten ist nicht der Kampf um Menschenrechte, sondern die gewaltsame Unterdrückung arbeitswilliger Kommilitonen.
Wenn die Ölscheichs ein paar Millionen ausgeben würden könnten alle Palästinenser angesiedelt werden und es gäbe keinen wirklichen Grund mehr. Der Kampf gegen Israel ist gegen die Menschenrechte.

Der Kampf um die Menschenrechte ist so ernst und heilig, daß er nur von Menschen geführt werden kann, die sich von Rücksichten der Tagespolitik nicht beeinflussen und Lügengeschichten der so genannten öffentlichen Meinung nicht vernebeln lassen.

Literatur: P. Franz Gypkens “Wieso eigentlich?“ (Manuskript)
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Herz Jesu Medaille

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