Dienstag, 23. Oktober 2012

Hl. Antonius Maria Claret: Über die Bedeutung und Notwendigkeit guter Publikationen

Zum Festtag des Heiligen, ein Auszug aus seiner Autobiographie

310 Eines der mächtigsten Mittel für das Heil — das hat mich die Erfahrung gelehrt — ist das gedruckte Wort. Es ist aber auch die mächtigste Waffe zum Unheil, wenn man es missbraucht. Im Druck erscheinen so viele gute Bücher und Handzettel, dass man Gott dafür nur loben kann. Nicht alle wollen oder können das Wort Gottes hören, aber alle können ein gutes Buch lesen oder sich vorlesen lassen. Nicht alle können zur Kirche gehen, um das Wort Gottes zu hören, aber das Buch kommt zu ihnen nach Hause. Der Prediger kann nicht immerfort predigen, aber das Buch sagt immerfort dasselbe; es wird niemals müde, sondern ist immer darauf eingestellt, zu reden und immer wieder dasselbe zu sagen. Ob die Leute wenig oder viel darin lesen, ob sie einmal oder tausendmal darin lesen oder es einmal und tausendmal wieder weglegen, es kränkt sich nicht darüber. Immer trifft man es gleich an, immer fügt es sich dem Willen des Lesers.
 
311 Gute Bücher zu lesen hat man immer als etwas sehr Nutzbringendes angesehen.  Heutzutage aber gilt es als höchst notwendig. Ich sage, es ist heutzutage eine Notwendigkeit, weil es eine wahre Lesesucht gibt. Wenn aber die Leute keine guten Bücher haben, lesen sie schlechte. Die Bücher sind die Nahrung der Seele. Wenn man dem Körper gesunde, zuträgliche Kost gibt, ernährt sie ihn. Ist die Nahrung aber vergiftet, dann schädigt sie ihn. Genauso ist es auch mit dem Lesen: Wenn einer gute Bücher liest, die sich für ihn und seine persönliche Situation eignen, ist das Lesen für ihn wie Nahrung und bringt ihm großen Nutzen. Liest er aber schlechte Bücher, gottlose Zeitschriften, häretische Blätter und sonstige  schädliche Schriften, so zerrütten diese seinen Glauben und verderben seinen Lebenswandel.  Es fängt damit an, dass sie den Verstand auf Abwege führen. Dann verderben sie ihm das Herz. Aus dem verdorbenen Herzen aber kommt alles Böse, wie Jesus sagt.142 Schließlich kommen sie sogar soweit, dass sie die erste Wahrheit leugnen, nämlich Gott, den Ursprung aller Wahrheit: „Die Toren sagen in ihrem Herzen: ‚Es gibt keinen Gott.
 
312 Heutzutage ist es also doppelt notwendig, gute Bücher in Umlauf zu bringen. Aber diese Bücher müssen handlich sein, denn die Leute sind stets in Eile und werden von allen Seiten und auf tausenderlei Arten abgelenkt. Und da die Begierde der Augen und Ohren bis zum äußersten angewachsen ist, wollen sie alles sehen und hören; und außerdem müssen sie  reisen. Darum wird ein umfangreiches Buch nicht gelesen. Es dient ausschließlich dazu, die Regale der Buchhandlungen und Bibliotheken zu füllen. Aus diesem Grund habe ich, überzeugt  von dieser hochbedeutsamen Wahrheit, mit Hilfe der Gnade Gottes so viele kleine Bücher und Handzettel herausgegeben.
 
313 Das erste Büchlein, das ich herausbrachte, war jenes, das geistliche Ratschläge oder Hinweise enthält, die ich für die Nonnen von Vich aufgeschrieben hatte. Ihnen hatte ich gerade Exerzitien gegeben. Damit sie nun besser behalten konnten, was ich ihnen gepredigt hatte, kam ich auf den Gedanken, ihnen besagte Unterlagen schriftlich zu überlassen. Bevor ich ihnen das Material gab, damit alle es abschreiben konnten, zeigte ich es meinem lieben Freund Dr. Jaime Passarell, Pönitentiar an der dortigen Kathedrale. Er meinte, ich solle es drucken lassen, denn so könnte ich den Nonnen die Arbeit des Abschreibens ersparen und für sie und auch für andere etwas Nützliches tun. Da ich diesen Herrn wegen seines Wissens und seiner Tugend sehr verehrte und liebte, gab ich seinem Drängen nach, und man druckte es. So kam das erste Buch zustande, das ich herausbrachte.
 
314 Als ich sah, wie gut sich das erste Buch bewährte, entschloss ich mich, das zweite zu schreiben. Dieses Buch heißt „Ratschläge für Jungfrauen“. Danach schrieb ich das Buch für Familienväter, das für Kinder, das für junge Leute und alle weiteren, wie man dem Verzeichnis entnehmen kann.

315 Bei meinen Missionen kam ich auch mit den Nöten in Berührung. Je nachdem was ich sah und hörte, schrieb ich dann das Büchlein oder das Flugblatt. Wenn ich in der Ortschaft beobachtete, dass man häufig schmutzige Lieder zu singen pflegte, brachte ich sogleich ein Flugblatt mit einem geistlichen oder erbaulichen Lied heraus. Deshalb waren die ersten Blätter, die ich veröffentlichte, fast ausnahmslos Liederzettel.
 
316 Von Anfang an verbreitete ich auch ein Flugblatt, das einige Rezepte als Mittel gegen das Fluchen enthielt. Denn zu der Zeit, als ich meine Predigttätigkeit begann, war es entsetzlich, wie viele und schlimme Flüche man überall hören musste.147 Es schien, als wären alle Dämonen der Hölle über die Erde hin ausgeschwärmt, um die Menschen zum Fluchen zu bringen.
 
317 Desgleichen hatte die Unkeuschheit alle Dämme durchbrochen. Deshalb entschloss ich mich, diese beiden Rezepte zu schreiben. Da aber die Marienverehrung ein sehr mächtiges Mittel gegen alle Übel ist, schrieb ich an den Anfang des Textes auf besagtem Blatt das Gebet, das mit den Worten beginnt: „O Jungfrau und Mutter Gottes“ usw., und das fast in allen meinen Büchern und auf fast allen meinen Flugblättern steht. Die beiden Worte „Jungfrau“ und „Mutter“ gebrauchte ich, weil mir beim Niederschreiben eine Erinnerung kam: Als ich noch Student war, las ich einmal im Sommer die Lebensbeschreibung des heiligen Philipp Neri von P.  Conciencia (vier Bände in Quartformat). Er schrieb dort, der Heilige habe es sehr gern gehabt, wenn man diese beiden Worte immer zusammen gebrauchte: „Jungfrau und Mutter Gottes“. Und er sagte auch, mit diesen Worten erweise man Maria große Ehre und mache sie sich geneigt. Die übrigen Worte des Gebets sind eine Weihe an die Herrin.

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