Dienstag, 9. Dezember 2014

Am Webstuhl Gottes.


Es wirk ein wunderbares Gewebe,
mein Erdenlos, des Schöpfers Hand,
vom ersten Pulsschlag, den ich lebe,
bis ich vollendet einst entschwebe,
webt er's mit Weisheit und Verstand.

Ich schaue zu in tiefem Sinnen,
ein Kind, das stumm beim Künstler steht:
und kann ich noch kein Bild gewinnen.
Daß es ein wohl durchdacht' Beginnen,
hat längst min blinder Blick erspäht.

Wie sicher stets die Spindel schwirret,
und Faden sich an Faden schließt!
kein Griff des Meisters Plan verwirret:
Er wirkt sein Werk, durch nichts beirret,
und nie ein Fehlschlag ihn verdrießt.

Bald weiß, bald Gold sind die Fäden,
dann aschgrau auch und schwarz7 wie die Nacht
der Meister prüft und ordnet jeden,
und fügt die tausend bunten Fäden
ganz so, wie es sein Geist erdacht.

Wohl will nicht alles mich behagen,
und oftmals sinkt mir schier der Mut;
doch wie das Herz sich mag beklagen,
es hört den Meister freundlich sagen:
Gedulde dich! Es wird sehr gut!
(H. Hackemann SVD  + 9.8.1900)

„Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf Ihn. Er wird's schon machen.“
Psalm 36, 5.)

Quelle: Weggeleit – P. Jakob Koch SVD. – St. Gabriel-Verlag, Wien

 

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