Freitag, 27. Februar 2015

Paulus und du!


Während noch die vom Blute des Erzmärtyrers Stephanus geröteten Steine vor den Toren Jerusalems lagen, verwandelte Saulus mit dem Hohen Rat. Dann bestieg er mit seinen Begleitern die Pferde und sprengte mit fliegender Eile nach Damaskus. Nur ein Gedanke, ein Ziel verfolgte er: Die Nazarener müssen vom Grund aus vernichtet werden. Saulus war ein Mann, dessen Charakter keine Halbheiten ertragen konnte. Dem, der Herzen und Nieren erforscht, den er verfolgte, dem war der blinde Stürmer mit seiner ehrlichen, aufrichtigen Gesinnung dennoch wertvoll, lieb und teuer. Voll unendlicher Liebe, erfüllt von unergründlicher Barmherzigkeit, wollte er ihn gürten mit den Banden der Liebe, der Leiden und der Gnade. Der Verfolgte, der von Saulus Verhasste wollte ihn für seine Sache umformen, umbilden, arbeiten sehen. „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ Heilands-, Erlöserworte! Wie Hammerschläge fallen sie auf Saulus ein. Vom wunderbaren Glanze göttlicher Herrlichkeit an seinen Augen geblendet, stand an Stelle des stolzen Saulus ein ganz anderer auf – ein umgeschmiedeter, umgeformter, umgebildeter, gedemütigter, an der Seele sehend gewordener Paulus.

Der eine Gedanke, der eine Wunsch, das eine Ziel umfasst ihn jetzt voll und ganz; er will nur noch dem folgen, dem dienen, für den arbeiten, für den opfern und leiden, den lieben, den er in seiner geistigen Blindheit gehasst und verfolgt hat. Aus dem tiefsten Grunde seiner Seele rief er: „Herr, was willst du, dass ich tun soll?“ Was der König der Ewigkeit von ihm verlagte, das erfüllte ein Paulus voll und ganz.

Und du? Vielleicht wirbt der König der Herzen auch um dich und einmal oder oftmals ist er dir in den Lebensweg getreten mit der Bitte:  „Komm und folge mir nach!“

Es hat jeder Mensch seine Damaskusstunde.
Es kommt nur darauf an, dass wir der Gnade
so folgen wie der heilige Paulus.

Meine Damaskusstunde ist die heilige Messe; die Gotteserscheinung spricht auch zu mir: Saulus, was verfolgst du mich? (verfolgen = sündigen). Als Saulus trete ich ins Opfer ein, als Paulus gehe ich heim, „nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!“

Quelle: Sonne Dich – P. Max Dudle SJ – Hrsg.: DVCK e. V., Frankfurt am Main


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