Freitag, 6. Februar 2015

„Vom heute gewesenen Tage“


Schon frühmorgens, wenn der junge Tag erwacht, will ich Ausschau halten nach dem „heute gewesenen Tage“ - wie werde ich voraussichtlich den angebrochenen Tag heute Abend sehen?

Gewiss ist er harmlos gekommen, so ganz still und bescheiden, wie die anderen Tage, wie gestern, wie vorgestern . . . Vielleicht ist er auch so still verronnen wie die meisten Tage. Und doch hat er etwas ganz Eigenes, etwas besonderes.

Ich will während des Tages darauf acht haben. Ich will heute Abend danach suchen. Ich will über den gewesenen Tag nachdenken – was er mir gebracht hat an Gedanken, an Aufforderungen zur Arbeit, an guten Beispielen, an Anregungen zum Guten, an Gnaden . . .

Ich will heute Abend darüber nachdenken (und darum untertage schon darauf achten), was der gewesene Tag mir brachte, worüber ich mich freuen kann, wofür ich danken oder Sühne leisten muss, oder worüber ich mich zum stillen Nachsinnen, Überlegen, Entschließen angeregt fühle . . . Ganz gewiss, der heute gewesene Tag hat etwas ganz eigenes für mich gebracht. Er darf mir daher nicht aus dem Gedächtnis entschwinden, bis ich für alles gedankt, für alles Sühne geleistet, alles übrige in Ordnung gebracht habe. - Das ist der Gedanke, die Anregung vom „heute gewesenen Tage.“   (Mörike)

Quelle: Weggeleit – P. Jakob Koch SVD – St. Gabriel-Verlag, Wien


Keine Kommentare: