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Unsere Seele ist unsterblich

  Das lehrt uns Jesus Christus, der uns deutlich geoffenbart hat, was auf unsere Seele nach dem Tode wartet, und der uns gesagt hat: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können!“ (Matth. 10, 28) Auch unsere Vernunft sagt uns, daß es nach dem Tod ein anderes Leben geben muß, wo das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Sonst blieben gerade die edelsten Taten, der Heldentod für den Glauben und für das Vaterland unbelohnt, und zahllose Verbrechen blieben ungestraft. Das kann der gerechte Gott nicht zulassen. Die Körper sterben dadurch ab, daß sie sich in ihre Teile auflösen. Die Seele aber kann sich nicht auflösen; denn ein denkendes Wesen, ein Geist, wie die Seele ist, besteht nicht aus Teilen. Es haben auch alle Völker, die es je gegeben hat, an ein Fortleben nach dem Tode geglaubt. Geleugnet haben es immer nur einzelne Menschen, und zwar solche, die Grund hatten, das andere Leben zu fürchten. Durch Verstand, freien Willen u...

Ein Leugner der Unsterblichkeit

Der französische Gelehrte Voltaire verspottete in vielen Schriften den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele und die ganze christliche Religion und verführte dadurch Unzählige zum Unglauben. Die Ursache seiner Feindseligkeit gegen den Glauben war wohl sein sittenloses Leben. Im Innersten war er aber von dem, was er gegen die Religion schrieb, selbst nicht überzeugt. Denn als es mit ihm zum Sterben kam, überfiel ihn eine schreckliche Angst. Er wollte einen Priester rufen lassen und beichten. Aber die gottlosen Freunde Voltairs ließen trotz seiner inständigen Bitten keinen Priester zu ihm. Da wurde die Angst Voltairs immer größer. Er schrie: „Ich fühle eine Hand, die mich erfaßt und mich zum Richterstuhle Gottes zerrt! Der Teufel ist da – er will mich packen – ich sehe die Hölle – o verbergt sie mir!“  Vor Verzweiflung krümmte er sich wie ein Wurm und zerfleischte sich mit den eigenen Nägeln. Zuletzt schrie er noch einmal entsetzlich auf; dann sank er zurück u...

Der Sinn des Leidens

Die vielen Leiden, die es gibt, sind in der Hand Gottes ein Mittel uns zu strafen, uns zu warnen und unseren Blick und unser Streben nach oben zu richten. „Denn, wen der Herr lieb hat, den züchtigt er.“ (Hebr. 12, 6) Das israelitische Volk verfiel oft in Götzendienst und Laster. Da ließ es Gott zu, daß der Feind ins Land einfiel und die Israeliten hart bedrängte. Dann bekehrten sie sich wieder zu Gott. Auch den Gerechten sendet Gott Leiden. Er will sie dadurch prüfen, das heißt, er will ihnen Gelegenheit geben, ihre Tugend zu zeigen und zu üben um sich Verdienste für die Ewigkeit zu erwerben. So erhielt Job durch seine schweren Leiden Gelegenheit, daß er Geduld, Ergebung in den Willen Gottes, Gottvertrauen und Liebe zu Gott übte. Er verdiente sich dadurch einen hohen Grad der himmlischen Seligkeit. Daß Gott die furchtbaren Kriege zuläßt, ist ohne Zweifel eine Strafe Gottes für die Gottlosigkeit und Unsittlichkeit, die so schrecklich überhand genommen hat. Sie sind eine Mahnung...

Das Herz Jesu, ein Symbol der unermesslichen Liebe Gottes - VII

Kard. Medina Estevez Es ist mir unmöglich, nicht  in kindlicher Liebe an die heilige Jungfrau Maria zu erinnern. Der greise Symeon hatte ihr bei der Darstellung Jesu im Tempel zu Jerusalem angekündigt, dass der Knabe bestimmt sei „zum Falle und zum Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen –, damit die Gedanken aus vielen Herzen offenbar werden“ (Lk 2,34f). Diese geheimnisvollen, vom Heiligen Geist inspirierten Worte haben die Jungfrau Maria sicherlich zu tiefem Nachdenken veranlasst, obwohl sie sie nicht gleich verstehen konnte (vgl. 2,19.32.50). Wirklich verstehen sollte sie sie erst viele Jahre später, als sie zusehen musste, wie ein Soldat mit der Lanze die Rippen ihres gekreuzigten, bereits toten Sohnes durchbohrte. In diesem Moment wurde das reine Herz Mariens von dem geheimnisvollen Schwert verwundet und sie selbst hatte nun teil an dem Opfer ihres Sohnes, der gleichzeitig Priest...

Das Böse

Das Böse, das geschieht, will Gott nicht, aber er läßt es zu, das heißt, er hindert es nicht, weil er den Menschen ihre Freiheit nicht nehmen will und weil er auch das Böse zum Guten zu lenken weiß.  Die Sünde Adams hat nicht nur traurige Folgen gehabt. Sie hat Gott auch veranlaßt, uns einen Erlöser zu senden; so haben wir die Liebe Gottes erst recht kennen gelernt.  Die Brüder Josefs verkauften ihn den ägyptischen als Sklaven. Das war eine sehr große Sünde, wurde aber von Gott zum Heile Josefs und der Brüder. Josef sagte zuletzt: „Ihr hattet gegen mich Böses im Sinne; aber Gott hat es zum Guten gewendet.“   Die Kreuzigung Jesu war das größte Verbrechen. Gott hat sie zugelassen; damit wir erlöst werden.

Das Herz Jesu, ein Symbol der unermesslichen Liebe Gottes - VI

Kard. Medina Estevez Einmal sind es die relativ neuen, mehr oder weniger gelungenen Bilder vom Herzen Jesu, die uns nachdrücklich einladen, die Liebe Gottes zu betrachten. Daneben sind da aber auch die bewundernswerten byzantinischen und russischen Ikonen zu nennen, die Christus als Pantokrator darstellen, der das Evangelienbuch in seiner Linken hält, die symbolisch das Wort Gottes verkörpert, das uns die Vertrautheit des eingeborenen Sohnes als Wort der Wahrheit vermittelt, uns wirklich frei macht (vgl. Joh 8,32) und uns der Knechtschaft des Teufels und der Sünde entreißt (vgl. Joh 8,33-46). Dasselbe gilt auch für die verschiedenen Darstellungen des Gekreuzigten, angefangen von den äußerst hieratischen Bildern der romanischen Epoche bis hin zu den höchst dramatischen des späten Mittelalters. Sie alle drücken die Liebe Jesu aus, mit der er den Heilsplan des Vaters ausführte, der Ihn gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz sein ließ (vgl. Phil 2,8). Vor dem Bild des ...

Das Herz Jesu, ein Symbol der unermesslichen Liebe Gottes - V

  Kard. Medina Estevez   Das Heiligste Herz Jesu ist das Symbol der unermesslichen Liebe, mit der Gott uns begegnet, und insbesondere der unerschöpflichen Liebesbeweise mit der uns Jesus Christus, der Sohn Gottes, der im Schoße der Jungfrau Maria menschliches Fleisch angenommen hat, überhäuft hat und in jedem Augenblick unseres Lebens von neuem überhäuft.   In der Heiligen Schrift taucht das Wort Herz sowohl im Alten als auch im Neuen Testament nicht weniger als dreihundert Mal auf. Dabei geht es nur einige wenige Male um die Bezeichnung des körperlichen Organs, das in unserer Brust schlägt. Gewöhnlich drückt das Wort vielmehr das tiefe Gemüt des Menschen aus, sein Denken, seine Güte oder seine Bosartigkeit, die Möglichkeit, den Kummer anderer mitzufühlen, und vor allem die Fähigkeit zu lieben. Aus diesem Grunde wollen die Darstellungen des Herzens Jesu unsere Aufmerksamkeit nicht auf das in seiner ganzen Menschlichkeit anbetungswürdige körperliche Organ lenk...