Mittwoch, 30. Juli 2008

Wir sind des Geyers schwarzer Haufen…

von Julian Voth

Vor fast 500 Jahren kam es zur ersten größeren anti-kirchlichen Ausschreitung in Deutschland. Die Geschichte des aufständischen Bauernheeres unter Florian Geyer, das sich gegen staatliche und kirchliche Autorität erhob, wird in einem Lied von 1919 verherrlicht:

Wir sind des Geyers schwarzer Haufen, heia hoho,wir woll’n mit Pfaff und Adel raufen, heia hoho.

Refrain: Spieß voran, drauf und dran,setzt auf's Klosterdach den roten Hahn!
Wir wollens dem Herrn im Himmel klagen, kyrieleys,daß wir den Pfaffen konnten totschlagen, kyrieleys.
Und weitere 10 Strophen in ähnlicher Intention.

Wie hat sich die Situation der Kirche in Deutschland und Europa in den Jahrhunderten danach entwickelt?
Während die Bauernaufstände im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zurückgeschlagen werden konnten, verbreitete sich der Protestantismus bis zur erstarkenden Gegenreformation. Und somit ging die Säkularisierung kirchlicher Territorien und Verfolgung des rechtgläubigen Klerus in zahlreichen deutschen Gebieten weiter.
Mit dem westfälischen Frieden von 1648 konnte diese Entwicklung zwar nicht komplett rückgängig, aber zumindest aufgehalten werden.

Die umfassendste, radikalste und brutalste Verfolgung seit der römischen Kaiserzeit erfuhr die Kirche im revolutionären Frankreich. Auswirkungen der Revolution sind nicht nur im französischen Mutterland zu spüren. Die Revolutionsarmeen trieben die laizistischen Staatsideen nach Deutschland und ganz Europa, zerstörten die Ordnung des Heiligen Römischen Reiches und damit auch die verbliebenen geistlichen Fürstentümer.

Schlimmer noch als die plündernden Horden war jedoch die Festigung der säkularisierten Herrschaft unter Napoleon und der Scheinrestauration 1815, die Klöstern und Bistümern Land und Besitz raubten.
Trotz der kurzfristigen Wiederherstellung der Monarchie in Frankreich konnte die Kirche durch den liberalen und antiklerikalen Einfluss ihre Stellung nicht wieder zurückerlangen.
Mit der Aufhebung des napoleonischen Konkordats 1901 endete auch die finanzielle Unterstützung der französischen Kirche durch den Staat.
Vielleicht erschien die Gottesmutter nicht ohne Grund gerade in Lourdes.

Im übrigen Europa fand mit der gewaltsamen Annexion des Kirchenstaates 1870 nicht nur das Ende der direkten geistlichen Herrschaft, sondern auch der Anfang vom Ende der katholischen Staatsreligion statt. Kaum länger als 100 Jahre später schuf Italien als letzter europäische Flächenstaat den Katholizismus als Staatsreligion ab – tatsächlich wäre die Beibehaltung auch nur noch eine Farce gewesen.


Und heute, im Jahre 2008, scheint der Einfluss der Kirche auf Staat und Volk geringer denn je zu sein. Ganz im Gegenteil hat der ursprünglich staatliche Liberalismus, Modernismus und Laizismus innerhalb der Kirche Einzug gefunden. Eine Entwicklung, die sich Robespierre und andere Revolutionäre nicht hätten erträumen können. Damals wurde dem Klerus die Standeskleidung vom Leib gerissen, heute kleidet sich der modebewusste Pfarrer gerne im neusten Trend der Zeit. Damals wurde die Zelebration der Heiligen Messe verboten und musste geheim in Scheunen gefeiert werden. Heute gibt es statt des Messopfers „Wortgottesdienste“ in Kirchen, bei der Scheunen im Vergleich wie prächtige Sakralbauten wirken. Die geistigen Erben Florian Geyers…

Nichtsdestotrotz liegt unser volles Vertrauen in der Kirche, ganz besonders unter der Regierung unseres Heiligen Vaters, dem es immer mehr gelingt, die gefährliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte umzukehren.
___________________________________

Herz Jesu Medaille

Keine Kommentare: