Dienstag, 1. November 2011

2012: 500 Jahre Trierer Heilig-Rock-Wallfahrt


Vom 13. April bis zum 13. Mai 2012 wird die Tunica Christi, der Heilige Rock, im Trierer Dom gezeigt werden.

Dies geschieht fast auf den Tag genau der ersten Zeigung vor 500 Jahren. Im Jahr 1512, während eines Reichstages, bestand Kaiser Maximilian I. darauf, die Tunica Christi zu sehen, die schon damals in einem Reliquiar verschlossen war. Am 14. April wurde der große Kasten, in dem sich die Reliquie befand, aufgemacht, um diese in privatem Rahmen zu zeigen. Wenige Tage danach, am 22. April 1512, wurde der Reliquienschrein über dem Hochaltar geöffnet und für den 2. Mai eine dreitägige öffentliche Anbetung anberaumt. 

Somit begann die inzwischen jahrhundertelange Tradition der Heilig-Rock-Wallfahrt. Zunächst fanden die Wallfahrten jährlich statt, ab 1515 wurden alternierend zur Aachener Heiligtumswallfahrt im sieben-jahren-Zyklus organisiert – falls das aufgrund von Kriegswirren überhaupt möglich war. In späteren Jahrhunderten wurden die Zeitabstände deutlich größer. So gab es im XIX. Jahrhundert nur in den Jahren 1810, 1844 und 1891 Wallfahrten. Im XX. Jahrhundert fanden Wallfahrten in den Jahren 1933, 1956 und 1996 statt.

Die 2012-Wallfahrt ist die erste seit 1996.

Seit der 1996-Wallfahrt finden alljährlich die Heilig-Rock-Tage statt, an denen auch viele Pilger nach Trier kommen. Doch während dieser Tage wird die Tunica Christi nicht ausgestellt, sondern bleibt im Reliquiar in der Heilig-Rock-Kapelle aufbewahrt. Die Heilig-Rock-Wallfahrt bekam oft –  gewollt oder ungewollt – eine kirchenhistorische Dimension. So wurden nach dem 30-jährigen Krieg die Wallfahrten bewusst für den religiösen Neubeginn in Deutschland organisiert. Die Wallfahrt im Jahr 1810, also unmittelbar nach der Französischen Revolution und den darauffolgenden Kriegen samt Besetzung des Rheinlandes durch französische Truppen, wurde nicht nur das Wallfahrtswesen wieder neu belebt, sondern generell die Frömmigkeit und die religiöse Praxis. Die Wallfahrt des Jahres 1844 fand inmitten von heftigen Attacken auf die katholische Kirche seitens der Liberalen statt, die ihr Obskurantismus und Aberglaube vorwarfen. Die deutschen Katholiken reagierten auf diese Angriffe eindrucksvoll: Man schätzte die Zahl der Pilger auf über einer Million ein. Historiker bezeichnen diese Wallfahrt als das größte Massenereignis Deutschlands der ersten Mitte des XIX. 

Jahrhunderts. Die hohe Zahl ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit die meisten Pilger noch zu Fuß kommen mussten. Der katholische Publizist Joseph Görres sprach von einem „Jubelfest des Jahrhunderts“. 

Die Wallfahrt von 1891 fand unmittelbar nach dem „Kulturkampf“ der preußischen Regierung gegen die katholische Kirche statt. Auch diese wurde mit fast zwei Millionen Pilgern zu einer gigantischen Demonstration des katholischen Glaubens in Deutschland. 

Anlässlich des Heiligen Jahres zur 1900-Jahrfeier des Todes Christi wurde im Jahr 1933 eine Heilig-Rock-Wallfahrt organisiert, die erste im XX Jahrhundert. 2,2 Millionen Pilger kamen nach Trier und damit bis heute die größte aller Zeiten. Erst 1959 fand die nächste Wallfahrt statt – es kamen in 64 Tagen 1,8 Millionen Pilger nach Trier. Die letzte Wallfahrt bis heute war die vom Jahr 1996, die in 28 Tagen 700.000 Pilger in die Domstadt an der Mosel anzog. Nach dieser Wallfahrt fanden jährlich die Heilig-Rock-Tage statt – eine Art Trierer Kirchentag -, die am Freitag nach dem Weißen Sonntag beginnen und zehn Tage andauern. Beim Abschluss der 2007er Heilig-Rock-Tage verkündete der damalige Bischof von Trier, Dr. Reinhard Marx, dass im Jahr 2012 auf Anlass der ersten Zeigung vor 500 Jahren erneut eine Wallfahrt stattfinden sollte.

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