Dienstag, 3. Februar 2015

Saudi-Arabien: Mehr Freiheit für Christen ist nicht zu erwarten

(kath.net/idea) Nach dem Tod von König Abdullah von Saudi-Arabien erwartet ein evangelikaler Kenner des Landes unter dem Nachfolger, Prinz Salman bin Abdulaziz, keine Verbesserung für die Lage der Christen. 

„Ausländer sind als Arbeitskräfte willkommen, dürfen ihren Glauben aber – abgesehen vom Gebet im stillen Kämmerlein – nicht praktizieren. Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich daran etwas ändern wird“, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen, Detlef Blöcher, auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Die Religionspolizei gehe immer wieder gegen christliche Hauskreise vor und verhafte deren Mitglieder. König Abdullah, der seit 2005 herrschte, war in der Nacht zum 23. Januar gestorben. Er soll 90 oder 91 Jahre alt gewesen sein

Der  künftige Machthaber, der 79-jährige Prinz Salman, gilt als politisch noch konservativer als sein Vorgänger. Er ist ein Halbbruder Abdullahs. Salman praktiziere eine sehr strenge Form des Islam, so Blöcher. Aber auch König Abdullah habe zu Beginn seiner Amtszeit als sehr konservativ gegolten, in seiner Amtszeit aber einige Reformen veranlasst. So gründete er 2009 gegen den Willen einflussreicher Islamgelehrter die König-Abdullah-Universität, an der Frauen und Männer gemeinsam studieren können. 2013 ernannte er erstmals Frauen zu Mitgliedern des Schura-Rates, einem parlamentsähnlichen Gremium ohne Gesetzgebungskompetenz. Auf Rang zwei der Thronfolge steht nun der 69-jährige Prinz Muqrin, ebenfalls ein Halbbruder des verstorbenen Königs. 

Laut Blöcher besteht in Saudi-Arabien eine starke Spannung zwischen der modernen Wirtschaft als Folge des Ölreichtums und einer äußerst konservativen Gesellschaftspolitik und islamischen Religiosität. Solange Salman und Muqrin die Geschicke des Landes bestimmten, werde sich daran vermutlich nicht viel ändern. 

In Saudi-Arabien ist der Islam Staatsreligion. Ihm gehören 99 Prozent der rund 30 Millionen Einwohner an. Die Christen finden sich meist unter den mehr als acht Millionen Gastarbeitern, vor allem aus Asien. Saudi-Arabien gehört zu den Ländern, in denen christliche Minderheiten am stärksten unterdrückt werden. Auf dem Weltverfolgungsindex des Hilfswerkes Open Doors rangiert der Staat auf Rang zwölf.


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