Montag, 18. April 2016

Die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu zu Beginn der Neuzeit

Vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert, in dem der heilige Johannes Eudes und die heilige Margarete Maria lebten, wurde die Verehrung des Herzens Jesu von vielen tugendhaften Seelen und großen Heiligen gepflegt. Bei vielen der bedeutendsten Vertreter dieser Andacht ist ein allmählicher Übergang zu einer Haltung festzustellen, der es mehr um die Herausstellung von Sühne und Wiedergutmachung geht.

Die Aufmerksamkeit der katholischen Frömmigkeit richtete sich in dieser Zeit immer mehr auf die heilige Menschlichkeit des Erlösers. Diese Blickrichtung half den Menschen, das Werk der eigenen Heiligung voranzutreiben, denn die gleiche Natur machte es leichter, die Freuden, Schmerzen und überhaupt die Seelenzustände Unseres Herrn zu betrachten. So gelangte man von der Anbetung der Menschlichkeit Christi zu der Form der Verehrung seines Heiligten Herzens, wie wir sie heute kennen. Während dieses ganzen Zeitraums wurde das Herz Jesu im Schoße der Ordensgemeinschaften eifrig weiter verehrt.


Zwei Verfasser geistiger Werke sind in dieser Zeit besonders hervorzuheben: der Kartäuserabt Johannes Lanspergius (1489–1539) und der Benediktinerabt Louis de Blois (1506–1566). Johannes Lanspergius war womöglich der erste Verfasser geistiger Werke, der die Bedeutung der Bilder vom Heiligsten Herzen Jesu hervorhob. In seinem erbitterten Kampf gegen das Luthertum schloss er sich der gerade erst sich bildenden Gesellschaft Jesu, besonders aber dem seligen Pedro Fabro an. Der Benediktinerabt Louis de Blois entstammte einer adligen belgischen Familie, hatte als Page unter Karl V. gedient und war ebenfalls in Freundschaft mit den Jesuiten verbunden, als er sich der geistigen Richtung Lanspergius' anschloss. Seine Lehre sollte später einen großen Einfluss auf den heiligen Franz von Sales ausüben.


Mit den Schriften der beiden Äbte gewann die Herz-Jesu-Verehrung Züge, die ihre Verbreitung unter den einfachen Gläubigen erleichterten. Für die beiden Ordensmänner sollte die Verehrung über das Muster einer außergewöhnlichen persönlichen Beziehung mystischer Natur zwischen Jesus und der Seele hinausgehen und das gewöhnliche Leben mit seinem Streben nach christlicher Vollkommenheit miteinbeziehen. 


Frömmigkeitsübungen und Gebet sollten diese Andacht dem Volk im  Allgemeinen zugänglicher machen.

Als der Jesuit Petrus Canisius (1521–1597) in Köln studierte, genoss er dort die Freundschaft der Kartäuser und Jünger Lanspergius'. Dieser Kirchenlehrer sollte zu einem der Vorläufer der heiligen Margarete Maria in der Herz-Jesu-Verehrung werden, denn der heilige Petrus Canisius pflegte einen vertrauten geistigen Umgang mit dem Herzen Jesu, das er immer wieder anrief und dessen Verehrung er innerhalb der Gesellschaft Jesu unermüdlich verbreitete.


Er sollte nicht allein bleiben. Die vom heiligen Ignatius gegründete Miliz zählte in dieser Zeit viele Apostel des Herzens Jesu zu ihren hervorragendsten Mitgliedern. Zu nennen wären etwa Salmerón, Ribadeneyra, Cornelius a Lapide, Lallemand und Saint-Jure. Ihre Tätigkeit und Spiritualität bereiteten den Tag vor, an dem die Gesellschaft Jesu zu einem der Großen Verbreiter der Herz-Jesu-Verehrung werden sollte.


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Doch bis zu diesem Zeitpunkt war das Bewusstsein der Notwendigkeit einer weiten Verbreitung dieser Verehrung, einer wahren Bewegung in diesem Sinne und der Schaffung eines öffentlichen Kultes noch nicht genug herangereift. So pflegt die göttliche Vorsehung vorzugehen: Sie lässt die Dinge heranreifen und an Weisheit zunehmen, bis sie dann gestärkt in der Lage sind, sich auszubreiten.

Quelle: Das Heiligste Herz Jesu – Hoffnung, Lösung und Trost für einen jeden von uns – André Sá - Hrsg.: Deutsche Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum e. V. (TFP) – Frankfurt am Main – Aktion: „Das Herz Jesu Apostolat für die Familie“

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