Freitag, 15. November 2013

Das Herz Jesu, ein Symbol der unermesslichen Liebe Gottes - IV




Kard. Medina Estevez


Ein Blick auf die Welt, in der wir leben, zeigt, dass es neben Beispielen von großer Tugendhaftigkeit, Güte und sogar Heiligkeit viele weitverbreitete Verhaltensweisen gibt, die Gott schwer beleidigen und einen flagranten Verstoß gegen die Menschenwürde darstellen. Millionenfach werden unschuldige Wesen ermordet, denen das Leben manchmal sogar unter dem Schutze menschlicher Gesetze genommen wird. Maßloses Gewinnstreben führt zu verschiedenen Formen der Korruption sowie zu Raub, Betrug und ugerechtem Lohn. Die in unterschiedlichster Verkleidung daherkommende Lüge zerstört das Vertrauen unter den Menschen und schafft ein Umfeld voller Argwohn, der den Dialog und die Zusammenarbeit beeinträchtigt. Im Bereich der Sexualität kommt es zu einer Reihe Missbräuchen, die den natürlichen Verkehr zwischen Mann und Frau, dessen legitime Ausübung sich in der ehelichen Liebe ausdrückt und gelebt werden sollte, zu einem Bild des Spottes machen. Alle diese gegen das Gesetz Gottes und der menschlichen Natur gerichteten Verhaltensweisen, untergraben die Würde des Menschen und tragen daher nicht im Geringsten zu seinem wahren Glücke bei.

 Muss es den, der sich so zärtlich und erbarmungsvoll geliebt weiß, nicht um so mehr schmerzen, wenn er mitansehen muss, wie dem Urheber von so viel Liebe im Gegenzug nichts als Kälte und Undankbarkeit entgegengebracht wird? Aus diesem Gefühl entstehen das Bedürfnis und die Pflicht, Genugtuung zu leisten. Es liegt nicht in unserer Hand, die begangene Sünde aus der Welt zu schaffen; mit Hilfe der Gnade Gottes können wir jedoch die Liebe steigern, mit der wir die großen oder auch kleinen Werke vollbringen, aus denen sich unser tägliches Dasein zusammensetzt. Es geht dabei nicht darum, „mehr“ zu tun, sondern die Dinge, die wir tun, mit größerer Liebe und aus reinerer Absicht zu tun, mit dem innigeren Wunsch, Gott die Ehre zu geben, verbunden mit einer geistlichen Transparenz, die der ähnlich ist, die stets im Herzen der heiligen Jungfrau Maria zu finden war, deren Leben nur das eine Ziel kannte, den Willen Gottes zu erfüllen (vgl. Lk 1,38). So sollten auch wir unseren Pflichten nachkommen, um Gott zu gefallen und nicht nur den Menschen (vgl. Eph 6,7; Kol 3,23). Und wir sollten stets daran denken, dass es keine vollkommenere Genugtuung gibt, als die, die Jesus Christus ein für alle Mal dem Vater im Kreuzesopfer dargebracht hat, das jedes Mal im Sakrament erneuert wird, wenn wir das heilige Messopfer feiern. (Vorwort zum Buch Das Heiligste Herz Jesu)

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